{"id":230097,"date":"2023-08-21T10:39:47","date_gmt":"2023-08-21T08:39:47","guid":{"rendered":"https:\/\/die-mundgesundheitsstiftung.de\/?p=230097"},"modified":"2023-08-21T11:03:42","modified_gmt":"2023-08-21T09:03:42","slug":"praevention-rechnet-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/die-mundgesundheitsstiftung.de\/en\/praevention-rechnet-sich\/","title":{"rendered":"Prevention pays off"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8221;1&#8243; admin_label=&#8221;section&#8221; _builder_version=&#8221;4.16&#8243; global_colors_info=&#8221;{}&#8221;][et_pb_row admin_label=&#8221;row&#8221; _builder_version=&#8221;4.16&#8243; background_size=&#8221;initial&#8221; background_position=&#8221;top_left&#8221; background_repeat=&#8221;repeat&#8221; global_colors_info=&#8221;{}&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243; _builder_version=&#8221;4.16&#8243; custom_padding=&#8221;|||&#8221; global_colors_info=&#8221;{}&#8221; custom_padding__hover=&#8221;|||&#8221;][et_pb_text admin_label=&#8221;Text&#8221; _builder_version=&#8221;4.20.4&#8243; background_size=&#8221;initial&#8221; background_position=&#8221;top_left&#8221; background_repeat=&#8221;repeat&#8221; hover_enabled=&#8221;0&#8243; global_colors_info=&#8221;{}&#8221; sticky_enabled=&#8221;0&#8243;]<h1>Information und Pr\u00e4vention in Deutschland \u2013 eine Misere<\/h1>\n<p><span class=\"subline\">Die Situation bei der Pr\u00e4vention liegt in Deutschland im Argen. Einen eklatanten Mangel stellen Verbraucherzentralen, Justizministerium und Versicherer bei der Erhaltung der Zahngesundheit fest. Prophylaxe und vorbeugende Behandlung zur Gesunderhaltung sind auf dem Gebiet der Zahnmedizin nur schwach ausgepr\u00e4gt. Deshalb bestimmen der Ersatz von Z\u00e4hnen und weit fortgeschrittene Parodontitis in Deutschland vielfach das Bild.<\/span><\/p>\n<p>Aus der F\u00fcnften Deutschen Mundgesundheitsstudie geht hervor, dass hierzulande mehr als die H\u00e4lfte der Erwachsenen mittleren Alters von Parodontitis betroffen ist (1). In der Altersgruppe der Senioren leiden sogar fast zwei Drittel darunter. Im Gegensatz dazu lassen sich zwar rund 50 Prozent der gesetzlich Versicherten innerhalb von zwei Jahren auf Parodontose untersuchen, aber nach Auskunft des BARMER Zahnreports 2017 erhielten weniger als zwei Prozent von ihnen eine Therapie gegen Parodontitis (2).<\/p>\n<p>Die Diskrepanz zwischen Erkrankungsrate und einer Behandlung ist demnach enorm! \u201eDies ist umso bedenklicher, da der Therapieerfolg immer unsicherer wird, je weiter die Erkrankung fortgeschritten ist\u201c, so Studienautor Prof. Dr. Michael Walter, Direktor der Poliklinik f\u00fcr Zahn\u00e4rztliche Prothetik am Universit\u00e4tsklinikum Carl Gustav Caru in Dresden.<\/p>\n<h2>Parodontitis-Therapie braucht Zielwasser<\/h2>\n<p>Die BARMER kommt zu dem Schluss: Die Parodontitis-Therapie verfehlt offenbar h\u00e4ufig ihr Ziel, Z\u00e4hne zu erhalten. Nach der Therapie verliert ein Drittel der Behandelten innerhalb von vier Jahren Z\u00e4hne. Dieser Befund l\u00e4sst vor allem einen Schluss zu: Das eigentliche Ziel der Parodontitis-Therapie, Z\u00e4hne zu erhalten, kann nicht durchgehend erreicht werden. Die Therapie kommt f\u00fcr viele Patienten offensichtlich zu sp\u00e4t, wenn bereits zum Zeitpunkt der Behandlung Z\u00e4hne nicht mehr behandelbar sind und gezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bei Zahnimplantaten fordern Gerichte und Verbraucherzentralen seit Jahren eine bessere Aufkl\u00e4rung und mehr Ma\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention. Eine Studie hatte gezeigt, dass neun Jahre nach dem Einsetzen von Implantaten bei 45 % der Patienten eine Periimplantitis besteht (3). Wird diese nicht professionell behandelt, kann es sogar zum Verlust des Implantates kommen und die Folgekosten sind teilweise immens.<\/p>\n<p>Ein F\u00fcnftel der Patienten berichtet, \u00fcber die m\u00f6glichen Komplikationen nicht aufgekl\u00e4rt worden zu sein. Ein Drittel bekam keine Information zu den m\u00f6glichen Folgekosten. Gerichte sprechen Patienten bei ungen\u00fcgender Aufkl\u00e4rung oft hohe Ersatzanspr\u00fcche zu. Besonders Patienten, die schon vor dem Einsetzen eines Implantates unter einer Parodontitis litten, m\u00fcssen besonders gut aufgekl\u00e4rt werden. In diesem Fall sind eine sorgf\u00e4ltige t\u00e4gliche Mundhygiene sowie ein individueller Plan zur Prophylaxebehandlung dringend n\u00f6tig.<\/p>\n<h2>Undurchdringlicher Dschungel von Zahlungsregelungen<\/h2>\n<p>Hinzu kommt, dass der Markt der Zahngesundheit in weiten Teilen selbst bezahlt werden muss. Das bietet einen wirtschaftlichen Anreiz f\u00fcr Zahn\u00e4rzte bietet. Gleichzeitig ist der Dschungel an Zuzahlung, Eigenanteil, Heil- und Kostenplan f\u00fcr den medizinischen Laien kaum nachvollziehbar. Dass Patienten sich schlecht informiert f\u00fchlen, liegt aber nicht nur an den Zahn\u00e4rzten. Denn gerade im Bereich der Zahnbehandlung sind neutrale Informationen nur schwer zu erhalten. Mehrheitlich basieren Informationen auf Brosch\u00fcren von Herstellern und Anbietern, sind aber f\u00fcr den Verbraucher nicht auf den ersten Blick als solche erkennbar.<\/p>\n<h2>Nachholbedarf bei Gesundheitskompetenz<\/h2>\n<p>In einer Studie zur Gesundheitskompetenz hat das Bundesministerium f\u00fcr Justiz und Verbraucherschutz 2016 die Gesundheitskompetenz der Bev\u00f6lkerung in Deutschland untersucht (4). Die Ergebnisse sind alarmierend! \u00dcber die H\u00e4lfte (54,3 %) der Deutschen verf\u00fcgt nur \u00fcber eine eingeschr\u00e4nkte Gesundheitskompetenz. Diese Personen haben erhebliche Schwierigkeiten damit, Informationen zu ihrem Gesundheitszustand richtig einzuordnen, zu bewerten und Entscheidungen zu treffen. Im Ergebnis fordert das Ministerium, das Gesundheitssystem informations- und nutzerfreundlicher zu gestalten und den Patienten die entsprechenden Informationen verst\u00e4ndlich und neutral zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Die DMS \u2013 Deutsche Mundgesundheitsstiftung GmbH hat diese Missst\u00e4nde und die Forderungen des Ministeriums zum Anlass genommen, in zweierlei Hinsicht t\u00e4tig zu werden:<\/p>\n<ol type=\"1\">\n<li>Sie hat die Webseite \u201eI Love My Implant\u201c ins Leben gerufen. Die Webseite stellt Patienten, Interessierten und zahnmedizinischem Fachpersonal produktneutrale und herstellerunabh\u00e4ngige Informationen zu Zahnimplantaten zur Verf\u00fcgung. Die Stiftung konnte den unabh\u00e4ngigen Medizinjournalisten Dr. Jan Kunde als Redaktionsleiter gewinnen. Das stellt sicher, dass die Informationen neutral, wissenschaftlich fundiert und verst\u00e4ndlich sind.<\/li>\n<li>Sie hat eine Studie initiiert, um den gesundheits\u00f6konomischen Nutzen einer fr\u00fcheren Parodontitis-Diagnose zu belegen \u2013 und zwar f\u00fcr den Patienten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die interne Studie wurde von Prof. Frankenberger, Zahnmediziner und Professor f\u00fcr Zahnerhaltung an der Philipps-Universit\u00e4t, und dem Institut f\u00fcr empirische Gesundheits\u00f6konomie (IFEG) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Fragestellung war recht einfach: Spart es Patienten auf Dauer Geld ein, fr\u00fchzeitig in die Diagnose einer Parodontitis zu investieren? Eine Gruppe wurde nach \u00fcblichem Standard behandelt, bei der anderen Gruppe wurde zus\u00e4tzlich zur Standardprozedur der besonders sensitive aMMP-8 Test durchgef\u00fchrt, der bereits im Fr\u00fchstadium erste Anzeichen einer Parodontitis erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist eindeutig: Je l\u00e4nger der sensitive Test eingesetzt wird, desto h\u00f6her sind die Ersparnisse f\u00fcr Patienten. In den ersten zehn Jahren im Alter von 35 bis 44 Jahren \u00fcberwiegen noch die Mehrkosten f\u00fcr den Test (930,-\u20ac in zehn Jahren). Allerdings zahlt sich dieser Test f\u00fcr Personen im h\u00f6heren Alter deutlich aus: im Alter von 45 bis 54 Jahren sparen die Patienten bereits 980,-\u20ac in zehn Jahren \u2013 der Test hat sich quasi amortisiert. Im Alter von 55 bis 64 Jahren liegt das Einsparpotenzial bei 1884,-\u20ac, im Alter von 65 bis 74 Jahren bei 2920,-\u20ac und im Alter von 75 bis 84 Jahren bei 4704,-\u20ac.<\/p>\n<h2>Parodontitis: Routineuntersuchung = zu sp\u00e4te Diagnose<\/h2>\n<p>Der Hintergrund liegt auf der Hand. Die Parodontitis wird in aller Regel im Rahmen der Routineuntersuchung erst diagnostiziert, wenn sie zu weit fortgeschritten ist. Das Zahnfleisch blutet oder es zeigt sich bereits ein Zur\u00fcckweichen des Knochens im R\u00f6ntgenbild. Doch dann ist es h\u00e4ufig bereits zu sp\u00e4t. Der Prozess l\u00e4sst sich nur aufhalten und nicht verhindern. Es kommt daher fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Zahnverlust. Dass Zahnersatz teuer ist, ist hinreichend bekannt. Wird aber im Rahmen der regelm\u00e4\u00dfigen Untersuchung der sensitive aMMP-8-Test eingesetzt, k\u00f6nnen bereits erste degenerative Prozesse aufgesp\u00fcrt werden.<\/p>\n<p>Ursache ist fast immer ein sch\u00e4digender Biofilm aus Bakterien, der auch versteckt im Zahnfleisch liegen kann (5). Durch den Test werden diese Herde aufgesp\u00fcrt und k\u00f6nnen gezielt entfernt werden, bevor es zur dauerhaften Sch\u00e4digung von Haltestrukturen und Knochen kommt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist folgender Gedanke ein Trugschluss: \u201eAch \u2013 dann fange ich erst mit 45 Jahren mit dem Test an und spare mit die 930,-\u20ac in den Jahren zuvor.\u201c Denn die Einsparungen im Alter ergeben sich dadurch, dass Sch\u00e4den durch Entz\u00fcndungen bereits in jungen Jahren vermieden werden.<\/p>\n<div class=\"quellenangabe\"><p><strong>Quellenverzeichnis<\/strong>:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bzaek.de\/fileadmin\/PDFs\/dms\/Zusammenfassung_DMS_V.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.bzaek.de\/fileadmin\/PDFs\/dms\/Zusammenfassung_DMS_V.pdf<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.barmer.de\/presse\/infothek\/studien-und-reports\/zahnreporte\/barmer-zahnreport-2017-105414\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.barmer.de\/presse\/infothek\/studien-und-reports\/zahnreporte\/barmer-zahnreport-2017-105414<\/a><\/li>\n<li>Derks J, Tomasi C. Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology. J Clin Periodontol. 2015;42 Suppl 16:S158\u2010S171. doi:10.1111\/jcpe.12334 (<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25495683\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25495683\/<\/a>)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/185753\/Gesundheitskompetenz-der-Bevoelkerung-in-Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/185753\/Gesundheitskompetenz-der-Bevoelkerung-in-Deutschland<\/a><\/li>\n<li>Lovegrove JM. Dental plaque revisited: bacteria associated with periodontal disease. J N Z Soc Periodontol. 2004;(87):7\u201021. (<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/15143484\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/15143484\/<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Information und Pr\u00e4vention in Deutschland \u2013 eine Misere Die Situation bei der Pr\u00e4vention liegt in Deutschland im Argen. Einen eklatanten Mangel stellen Verbraucherzentralen, Justizministerium und Versicherer bei der Erhaltung der Zahngesundheit fest. Prophylaxe und vorbeugende Behandlung zur Gesunderhaltung sind auf dem Gebiet der Zahnmedizin nur schwach ausgepr\u00e4gt. 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